Das Friaul liegt an der Nahtstelle zweier Wetterlagen, und die entscheidet über die Standortwahl mehr als jede Ausstattungsliste. Feuchte Adrialuft zieht ungebremst über die flache Ebene nach Norden und staut sich an der ersten Bergkette der Julischen Voralpen. Die Täler um Resia, Lusevera und Tarvis zählen deshalb zu den niederschlagsreichsten Ecken Europas — dort fällt in einem Jahr ein Vielfaches dessen, was die trockenen Zentralalpen abbekommen. Im Hochsommer heißt das: klarer Vormittag, ab dem frühen Nachmittag Quellwolken über den Nordwänden, dann Gewitter. Wer in einem Talort im Norden schläft, fährt die großen Pässe sinnvollerweise früh und ist am Nachmittag wieder unten.
Am anderen Ende der Region weht der Wind. Die Bora fällt als kalter Nordost über die Karsthochfläche auf Triest herunter und erreicht in Böen deutlich über hundert Kilometer pro Stunde. Ihre Saison ist die kalte Jahreshälfte, sie trifft also eher die Frühjahrs- und Herbstreisenden als den Julibesucher. Spürbar wird sie genau dort, wo es landschaftlich am schönsten ist: auf der Küstenstraße über dem Golf, auf den offenen Karstrücken und auf den Brücken der Küstenautobahn. Ein Quartier hinter der Hangkante des Karsts liegt windgeschützter als eines direkt an der Uferpromenade.
Die praktische Folge dieser Zweiteilung: Wenn es im Kanaltal drei Tage am Stück regnet, ist an der Adria oft die Sonne draußen. Grado und Triest liegen weit genug südlich, dass der Nordstau der Julischen Voralpen sie nicht erreicht. Zwischen Tarvis und der Lagune bei Grado liegen gut zwei Stunden über die Autobahn — nah genug, dass die Küste als Ausweich für einen verregneten Bergtag taugt, zu weit für den Tagesausflug hin und zurück mit Badepause. Wer beide Seiten will, teilt die Reise besser in zwei Quartiere, statt eines in der Mitte zu suchen.
Für einzelne Regentage entscheidet der Standort, wie weit das trockene Ersatzprogramm entfernt liegt. Vom Kanaltal aus führt die Autobahn in gut anderthalb Stunden in die Ebene, wo der Regen meist schwächer ausfällt als an der ersten Bergkette. Aus dem Hügelland des Collio oder einem Quartier auf dem Karst ist ohnehin alles nah beieinander. Diese Ziele funktionieren im Nassen:
- Aquileia in der Ebene südlich von Palmanova: römische Ausgrabungen und die Basilika mit dem großen frühchristlichen Bodenmosaik, überdacht begehbar, dazu das Archäologiemuseum.
- Grotta Gigante auf dem Karst über Triest: eine Schauhöhle mit einem einzigen riesigen Hauptraum, ganzjährig kühl, weshalb die Motorradjacke unten mit hinein gehört.
- Schloss Miramare am Golf von Triest, mit dem Park über der Küstenstraße, und die Kaffeehäuser der Stadt selbst.
- Bergbaumuseum Cave del Predil unterhalb des Predilpasses, wo der alte Blei- und Zinkbergbau samt Stollenbefahrung zugänglich ist, keine halbe Stunde von Tarvis.
Für die Rückkehr ins Quartier zählt der Zustand, in dem man ankommt. Ein Haus mit Garage nimmt dem Regentag die Hälfte des Ärgers, weil die Maschine trocken steht und das nasse Zeug nicht im Zimmer hängt. In den Talorten des Nordens gehören solche Garagen zum Baubestand, an der Küste und in den Altstädten stehen Motorräder häufiger im Freien. Diese Verteilung spricht dafür, die Bergetappen an den Anfang der Reise zu legen und die Küste ans Ende, wenn der Wetterbericht für die zweite Wochenhälfte stabil aussieht.